Ausgeträumt

Tschüss Champions-League!

HAMBURG. (oz) Man muss wohl kein Prophet sein, der Kampf um die Champions-League-Plätze dürfte für den HSV nach der 2:4 Niederlage gegen Bayer 04 Leverkusen vorbei sein. Es war nicht das erhoffte Fussballfest, es war noch nicht einmal eine kleine Party, die der HSV da auf dem Rasen der BayArena feierte.

Mit Demel für den gesperrten Rincon (5. Gelbe Karte) und van Nistelrooy in der Startelf fand der HSV zunächst gut ins Spiel, leider verpassten es die Hamburger, eine wirklich gute Torchance heraus zu spielen und in Führung zu gehen. Das tat Bayer Leverkusen dann in der 22. Minute durch ein Tor von Stefan Kießling. Die Abwehr versuchte auf Abseits zu spielen, was aber nicht alle in der Hintermannschaft verstanden hatten.

Nur elf Minuten später gelang dem bis dahin enttäuschenden Ze Roberto der zwischenzeitliche Ausgleich. Nach einem Missverständnis zwischen Keeper René Adler und seinem Abwehrspieler Hyypiä lupfte der Brasilianer den Ball über die Torlinie. Trotzdem verloren die Mannen von Trainer Bruno Labbadia mehr und mehr den Kontakt zum Spiel und leisteten sich zu viele Ballverluste im Mittelfeld, das auch wie schon so oft nicht schnell genug von Verteidigung auf Angriff  umzuschalten vermochte und daher die meisten Angriffsbemühungen des HSV bereits im Keim erstickte. Mit einem dennoch leistungsgerechten 1:1 ging es dann in die Pause.

Nach dem Seitenwechsel diktierten dann nur noch die Leverkusener das Spielgeschehen und brachten die Abwehr um Joris Mathijsen einige Male in Verlegenheit. In der 54. Minute war es dann Derdiyok, der eine mustergültige Flanke mit einem sehenswerten Kopfball ins Tor netzte und Frank Rost keine Chance liess. Leverkusen erspielte sich mehr und mehr deutliche Spielvorteile, der HSV agierte auch nach der erneuten Führung der Bayer-Elf viel zu passiv.

Stefan Kießling war es, der in Minute 64 schon fast alles klar machte. Dennis Aogo agierte gegen seinen Gegenspieler Renato Augusto zu nachlässig, der dann ungehindert auf Kießling flanken konnte. Bruno Labbadia reagierte, brachte Trochowski für Aogo und liess Marcell Jansen nach hinten in die Abwehrkette rücken. Marcus Berg kam für Ruud van Nistelrooy, der heute kaum nennenswerte Zuspiele aus dem Mittelfeld bekam.

Leverkusen jedoch kam zu weiteren großen Torchancen und liess den HSV überhaupt nicht mehr ins Spiel finden. David Rozehnal war es, der in der 83. Minute ein letztes Lebenszeichen sendete und nach einem Freistoß von Trochowski den Ball zum zwischen-zeitlichen 3:2 Anschluss im Tor unterbringen konnte. Doch bereits nur fünfzig Sekunden später versetzte Leverkusen den Hamburgern den endgültigen Knock-out. Die unsortierte HSV-Abwehr kann Derdiyoks Pass auf Castro nicht verhindern, der zum 4:2 Endstand traf.

Über die gesamte Spielzeit war dem HSV die fehlende Kraft anzumerken. Es fehlte an Spritzigkeit und Ideen, um die Leverkusener auch nur ansatzweise zu gefährden. Der Traum von der Champions-League ist nach diesem Auftritt wohl endgültig ausgeträumt und es scheint so, als fehle dem HSV in der wichtigen Phase dieser Saison einfach noch die Abgebrühtheit und auch die Kraft, die vielen englischen Wochen unbeschadet zu überstehen.

Bruno Labbadia bleibt die Hoffnung, dass es am Ende für die Europa-League reicht. Und als Titelverteidiger wäre man ja ohnehin für die nächste Saison qualifiziert. Den Spielern und dem Trainer sollte auch weiterhin das Vertrauen geschenkt werden, für das, was sie sich in vielen guten und furiosen Auftritten schon verdient haben.

Bundesliga, 26. Spieltag: Bayer 04 Leverkusen – HSV

Die Tore:

1:0 Kießling (22.)
1:1 Zé Roberto (33.)
2:1 Derdiyok (55.)
3:1 Kießling (62.)
3:2 Rozehnal (83.)
4:2 Castro (84.)