26. Spieltag

Labbadia:”Bayer ist zu schlagen!”

HAMBURG. (oh) Eines haben die Salami-Spieltage seit dieser Saison erreicht. Clubs, die am Sonntag um 17:30 Uhr antreten müssen, laufen den vorangegangenen Ergebnissen der Liga-Konkurrenz mit erhöhtem Druck und Pulsschlag hinterher. Psychologisch sicherlich eine gewisse Wettbewerbsverzerrung. Vielleicht wird diese heute beim HSV gegen Leverkusen nur durch die Dramatik, eines zu erwartenden Spitzenspiels, für beide Teams egalisiert.

Für die Rothosen geht es am späten Nachmittag auf jeden Fall um die wohl wichtigsten drei Punkte der laufenden Saison. Bruno Labbadia kennt seine ehemalige Mannschaft nur zu gut, warnte aber gerade jetzt davor Bayer, trotz der Niederlage gegen Nürnberg zu unterschätzen.

“Ich denke, man hat gegen Nürnberg gesehen, was in ihnen steckt. Selbst wenn sie mal nicht so ein gutes Spiel machen, haben sie gezeigt, dass sie auch einen 0:3 Rückstand aufholen können”, so Labbadia.

Das Spiel gegen Bayer Leverkusen ist für den HSV-Coach aber dennoch sicher keines wie jedes andere. Zu frisch werden die Erinnerungen an seinen ehemaligen Club noch sein, mit dem er 2009 das DFB-Pokal Finale erreichte. Dass man gegen Werder Bremen verlieren kann,… – aber lassen wir das.

Nur zu gerne mag man in der Öffentlichkeit vergessen, dass der HSV das Finale schon seit 23 Jahren nicht mehr von Innen gesehen hat, egal mit welchem Trainer. Statt dessen wird darüber geunkt, ob sich bei Labbadia bereits jetzt Parallelen zur Rückserie in Leverkusen auftäten, er sich mit Mannschaft, Trainingsstil und mit fragwürdigen Personalentscheidungen überworfen haben könnte. Von einem tabellarischen Absturz, wie seinerzeit  in Leverkusen (am Ende nur Platz 9) kann beim HSV nicht die Rede sein.

Schon vor dem Hinspiel im Volkspark (Endergebnis 0:0) hätten wohl alle am liebsten vom Chef-Coach hören wollen, dass er die Werkself zum Teufel wünschen würde. Sicher sind Trennungen immer mit Enttäuschungen und einer Portion Ärger verbunden, aber nur jeder einzelne der beiden Parteien wird am Ende wissen, woran es wirklich gelegen hat. Und so hegt Bruno Labbadia, und das ist ihm auch abzunehmen, keinen Groll in Sachen Bayer 04, im Gegenteil:

“Ich freue mich auf Leverkusen, da ich ja auch das neue Stadion noch nicht kenne. Ich habe schliesslich ein halbes Jahr auf der Baustelle gelebt.”

Lob hat Labbadia auch für die Arbeit von Bayer-Coach Jupp Heynckes übrig. “Sie spielen eine gute Saison und es wird ein sehr intensives, technisch und qualitativ hohes Spiel”, so Labbadia. Im Vergleich zu seiner Zeit bei Bayer gibt er aber auch Veränderungen zu.

“Ja, wir treffen auf eine Mannschaft, die sich entwickelt hat, aber auch zu schlagen ist. Es sind zwei Topmannschaften die aufeinandertreffen.

Keine abwägige Vorstellung, doch trotz der Aufholjagd gegen die Nürnberger am letzten Wochenende, verhagelte der Club Bayer mit der ersten Niederlage der Saison eine Serie von 25 ungeschlagenen Spielen. Und das vor allem zu einem sicher denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Bayern und Schalke drücken auf die Tube, der HSV startete mit den Siegen gegen Berlin und Anderlecht eine Serie, die nun im heißen Duell gegen den direkten Tabellennachbarn (das 4:1 von Dortmund bei Bochum gestern nicht berücksichtigt) fortgesetzt werden soll. Den Erfolg gegen Berlin will Labbadia aber auch nicht überbewertet wissen.

“Wir tun gut daran sehr sachlich damit umzugehen. Ob das nun nach dem Hertha-Spiel ist oder jetzt (nach Anderlecht, d. Red.), wo wir auch fussballerisch einen Anstieg gezeigt haben. Aber es wird am Sonntag wieder ein ganz neues Spiel”, erklärte der Chef-Trainer.

Und genau für diese Begegnung kann der Übungsleiter der Rothosen fast aus dem Vollen schöpfen. Jerome Boateng kehrt nach seiner Oberschenkelverletzung wieder in den Kader zurück. Auch Marcus Berg, der zuletzt noch Knieprobleme hatte, steht wieder zur Verfügung. Ob Ruuuuud van Nistelrooy von Beginn an ran darf, wird sich im Laufe des Vormittags entscheiden. In der virtuellen Startaufstellung ist er dabei, einziger Unterschied zum Siegerteam gegen Anderlecht ist Tomas Rincon, der seine 5. Gelbe Karte absitzen muss. Für ihn kommt Guy Demel zurück ins Team.

Der HSV in Leverkusen: Rost – Demel, Rozehnal, Mathijsen, Aogo – Jarolim, Zé Roberto – Elia, Jansen – van Nistelrooy, Petric
Auf der Bank: Hesl, Benjamin, Boateng, Tesche, Trochowski, Pitroipa, Berg, Torun