Interview

HSV-Aufsichtsrats-Kandidat: Johannes “Jojo” Liebnau

HAMBURG. (oh) Vom Helden auf der Nordtribüne zum Buhmann der ganzen Fussballnation. Johannes Liebnau ehemaliger Leiter des Supporters Club strebt den Sprung nach ganz oben an. Er kandidiert für den Aufsichtsrat seines HSV. Etwas womit er sich nicht nur Freunde gemacht hat in den letzten Wochen und Monaten. Es hagelt Kritik an seiner Kompetenz für so ein Amt, andererseits kennt er den Club so gut wie kaum ein anderer im Umfeld der grössten Abteilung der Rothosen, in der fast 80% aller HSV-Mitglieder organisiert sind. Am letzten Samstag (10.01.) hatten der Amateur-Vorstand, die AL der Fördernden und der Seniorenrat zum ersten Showdown im Haus des Sports eingeladen. Dort stellten sich 16 von 20 Kandidaten der breiten Mitgliederschaft vor. So auch Johannes Liebnau. HSV3000.de hat sich mit ihm vor dem Beginn getroffen und mit ihm über die Tage des Donners im deutschen Blätterwald sowie seine Kandidatur gesprochen.

HSV3000.de: Guten Morgen Johannes!

Johannes “Jojo” Liebnau: Hallo Olli!

HSV3000.de: Ich schau gerade aus dem Fenster hinter dir, es scheint die Sonne…ein schöner Tag,…

Jojo:…ja das stimmt…

HSV3000.de: …das konntest du vor einigen Wochen nicht gerade behaupten, die Presse eröffnete ein mediales Dauerfeuer wegen deiner Aufsichtsratskandidatur und deinen angeblich gästefeinlichen Gesängen auf der Nordtribüne gegen Werder Bremen. Was hat eigentlich dein engster Freundes und Familienkreis gesagt, als sie die großen Aufmacher in der Bild gesehen haben?

Jojo: Also das war schon echt hart, muss man wirklich sagen, also da würde ich jetzt lügen, wenn ich sage, das hat mich überhaupt nicht tangiert. Ich habe gerade in diesen Tagen unglaublich viel Rückendeckung bekommen, von Freunden und von der Familie. Aber auch von Leuten aus dem HSV-Umfeld, die sich kritisch mit der Thematik auseinandersetzen und sagen, ich find das nicht gut, was du machst und auch die Kombination Aufsichtsrat und Vorsänger, dass die nicht funktioniert. Auch diese Leute haben mir den Rücken gestärkt, haben gesagt, lass dich nicht unterkriegen, das ist absolut legitim, was du hier vorhast, da ist absolut ok, lass dich da jetzt nicht schlecht reden. Es war keine schöne Zeit, aber ich glaube ich habe das ganz gut überwunden.

HSV3000.de: Wie erklärst du dir denn dieses massive Interesse der Presse gerade auf Dich loszugehen?

Jojo: Ich weiss es nicht, ich habe mich über Jahre dafür eingesetzt, dass man mit der Presse einen vernünftigen Umgang hat, ich fand es damals auf der Mitgliederversammlung falsch die Presse rauszuschicken (Ausschluss der Presse von der Jahreshauptversammlung im Januar 2006, d. Red.), ich habe den Journalisten immer Rede und Antwort gestanden, auch in meiner Funktion in der Abteilungsleitung, ich war in allen Fällen ansprechbar, bin fair, offen und ehrlich mit ihnen umgegangen, wenn Informationen zum Spieltag benötigt wurden. Es hat mich dann schon sehr überrascht, dass sich dann in so einer Form ohne Ankündigung, ohne die Möglichkeit, dass ich mich selber dazu zu äussern konnte und auch in einer Art und Weise, die im Grunde unter der Gürtellinie ist, mit dieser Thematik auseinander gesetzt wird.

“Eines ist entscheidend [...]
ich begegne jedem HSVer mit Respekt.”

HSV3000.de: Du lebst ja praktisch den HSV, bist permanent für den Verein und für die Fans auf Achse, investierst wirklich viel Zeit und vor allem Kraft in deine Aktivitäten, und dennoch hagelt es z.B. in unterschiedlichen Internetforen schon massive Kritik an deiner Person, fragt man sich da nicht mal, bin ich hier im falschen Film?

Jojo: Ich würde mich vermutlich genau dies Fragen, wenn ich in Internetforen unterwegs wäre, das bin ich aber nicht. Aus dem einfachen Grund, ich stehe jedem Kritiker immer zur Verfügung, ich bin nie geizig gewesen mit meiner Telefonnumer, bin nie geizig gewesen mit Terminen und email Adressen, mit jedem HSVer der auf mich zukommt und sagt, Du bist ein “Arsch”, weil… habe ich überhaupt kein Problem, da setze ich mich gerne mit auseinander. Da habe ich schon viele tolle Gespräche geführt. Ich finde es auch immer wieder Interessant, warum die Leute aus der Anonymität des Internets heraus nicht den Mut haben, mit mir persönlich zu sprechen. Die Einladung steht, wer mit mir reden möchte kann das tun, ich bin bei jedem Spiel und wenn nicht gerade eine Choreo ansteht, auch gesprächsbereit und vor allem dankbar für Kritik, mit der ich mich auch gerne auseinandersetze…

HSV3000.de: …wie ist dann dieses Bild von dir entstanden?

Jojo: Ich sag mal, wer viel macht, kann auch mehr anecken, ich erlebe Situationen in denen Leute auf mich zukommen und sagen, sag mal was ist mit dir denn los, warum grüsst Du mich nicht mehr. Ich habe den Typen noch nie gesehen, weiss nicht wer das ist, kenne nicht mal seinen Namen und dennoch verlangen dann einige, nur weil sie mich schonmal gesehen und mit mir gesprochen haben, dass ich sie sofort wieder erkenne. Eines ist entscheidend, wir sind alle HSVer und ich begegne jedem HSVer mit Respekt, und finde das es sich gehört, dass man sich unter HSVern hilft und akkzeptiert. Ich denke, ich kann erwarten, dass man mir diesen Respekt auch entgegenbringt.

“Lieder, die gesungen werden [...]
98% der Gesänge sind positiv.”

HSV3000.de: Verstärkt wurde das Bild natürlich durch die Diskussionen um die Gesänge im Stadion beim Spiel gegen Werder Bremen – Tod und Hass dem SVW und andere feindliche Anheizer entzündeten eine Kampagne gegen dich, distanzierst du dich mittlerweile davon?

Jojo: Also ich finde es falsch jeden Gesang auf die Goldwaage zu legen, wenn ich singe, “Was ist grün und stinkt nach Fisch”, heisst das nicht, dass jeder Bremer grün ist und nach Fisch stinkt und auch ein Lied was seit 30 Jahren gesungen wird “Wir ziehen los mit Messern und mit Ketten” bedeutet ja nun nicht, dass da einer loszieht und aus Bremern Fischkroketten macht. Und es ist auch ein Trugschluss – ich bin nicht derjenige, der den Leuten sagt was zu singen ist, ich bin derjenige, der die Gesänge koordiniert. Ich bin auch froh, dass sich solche Dinge auf der Tribüne abspielen und nicht auf der Strasse ausgetragen werden. Die Leute gehen halt auch ins Fussballstadion, um einfach ihren Emotionen freien Lauf zu lassen, man spielt gegeneinander und da gehört es einfach auch dazu, die andere Mannschaft in gewissen Bereichen zu verunglimpfen. Und zur Info, ich habe mir mal die Mühe gemacht und während der Saison notiert, wie hoch der Anteil der guten Lieder ist, die gesungen werden – etwa 98 % der Gesänge sind positiv.

Fortsetzung…[1][2][3]