Feststellung

Trotsche:”Man kann nicht Everybodys Darling sein”

HAMBURG. (oh) Was für ein Bild: gerade Mal 27 handgezählte Trainingskiebitze wollten sich am Freitagvormittag vier Spieler und zwei Trainer ansehen. Mit viel Glück erwischte der eine oder andere noch Dennis Diekmeier, der nach seinem Bänderriss wieder mit dem Lauftraining begonnen hatte.

Noch mehr Glück hatten die, die übrigen drei Rothosen zu sehen bekamen. Denn während sich Rost und Drobny mit Torwarttrainer Ronny Tuber abmühten, zogen Trochowski und Torun einen Sprint nach dem anderen durch, wahlweise mit oder ohne Ball. Guerrero, Ze Roberto, Tesche und David Jarolim drehten im Volkspark ihre Runden mit Co-Trainer Oenning. Aogo trainierte mit der Zweiten und wird, um Spielpraxis zu bekommen, heute in der vierten Liga gegen Wilhelmshaven (14 Uhr, Hagenbeckstr.) auflaufen.

Einer, der vor dem Wochenende noch einmal richtig Gas gegeben hatte war Piotr Trochowski, der sich nach dem Training entspannt auf das trainingsfreie Wochenende freute. “Das habe ich mir verdient”, so Trotsche, der nach seiner Achillesehenverletzung wieder auf dem Weg zu alter Form ist.

“Ich fühle mich soweit fit, bin gegen Frankfurt eingewechselt worden und finde das war ganz ok. Gegen Victoria war das sehr wichtig, dass ich da die Routine bekomme und 90 Minuten Gas geben konnte. Ich bin nahe daran wieder topfit zu sein und bin sehr positiv eingestimmt auf die nächsten Wochen, dass ich dann auch wieder spielen werde.”

Am Abend spielte die Nationalmannschaft ihr erstes Qualifikationsspiel zur Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine. Ging gut los, Löws Truppe bezwang den Gastgeber Belgien mit 1:0 (0:0). Trochowski war nicht dabei, brachte aber Verständnis für die Nichtnominierung wegen seiner fehlenden Spielpraxis auf. Aber:

“Natürlich wäre ich gerne dabei gewesen. Wenn es um Qualifikationsspiele geht, möchte man immer dabei sein. Ich muss zusehen, dass ich das nächste mal dabei bin”, erklärt er bescheiden, denn Trotsche weiß genau, dass die Konkurrenz gerade in der Nationalmannschaft sehr groß ist. Vor allem auf seiner selbsterklärten Paradeposition im Zentrum des offensiven Mittelfelds.

“Ich bin zwar auf “Außen” Nationalspieler geworden, aber ich kann in der Mitte mehr Impulse setzen und der Trainer weiß, dass ich da spielen kann.”

Ein Thema mit dem sich der Nationalspieler auch im Verein auseinandersetzen muss, denn auch beim HSV muss sich Trochowski im neuen System unter Veh auf der “10er” Position mit Paolo Guerrero und Mladen Petric dem Wettkampf stellen. Letzterer wäre allerdings beinahe in einem unrühmlichen Transferpoker zwischen dem VfB Stuttgart und dem HSV aus der Mannschaft gekegelt worden.

“Mladen ist mittlerweile 29, hat so einige Bundesligaspiele gemacht und einen gewissen Ruf. Er ist Nationalspieler, hat viel für den Verein getan und für andere bei denen er gespielt hat. Klar ist es nicht einfach, aber er wird beissen und sich durchsetzen wollen und es ist gut, dass wir diesen Konkurrenzkampf haben, damit wir leistungsfähig sind und eine gute Saison spielen können.”

Während der Wechsel von Petric zu den Schwaben am, wie HSV-Coach Armin Veh sagte, aberwitzigen Angebot scheiterte, gibt sich Trochowski diesbezüglich völlig entspannt:”Ich gucke nicht auf’s Finanzielle, Hamburg ist meine Heimat, hier fühle ich mich wohl.” Vertragsgespräche (aktueller Kontrakt läuft bis 30.06.2011) sind von seiner Seite erstmal auf Eis gelegt.

“Momentan möchte ich nicht darüber sprechen, möchte erstmal abwarten und schauen, wie der Saisonverlauf sein wird.”

Also weniger Geplänkel und stattdessen lieber durch Leistung auffallen. Doch hin und wieder scheint gerade die Wertschätzung von Leistung unter den Tisch zu fallen, oder?

“Na ja, ich gebe Gas und hab bislang auch alles für den Verein gegeben. Natürlich ist es einfacher, wenn man das Vertrauen bekommt, aber eine Garantie gibt es nicht. Man kann nicht ‘Everybodys Darling’ sein.”