Kleiner HSV

Alarmstufe “Rot” bei 96

HANNOVER. (oz) 96-Boss Martin Kind dürfte mal wieder eine unruhige Nacht gehabt haben. Nach dem Ausscheiden seiner Hannoveraner in der ersten Runde des DFB-Pokal gegen den Viertligisten Elversberg, das Kind als “indiskutabel” betitelte, geht in Hannover die Angst vor einem erneuten Fehlstart um. Wie schon im Vorjahr, als 96 mit Ex-Trainer Dieter Hecking an Viertligist Trier scheiterte, steht nun auch Coach Mirko Slomka im Kreuzfeuer.

“Ich habe schon letzte Woche gesagt, dass wir von Beginn an gegen den Abstieg spielen werden. Um vorn die Durchschlagskraft zu erhöhen, brauchen wir noch Verstärkung”, so Slomka direkt nach dem Spiel im ZDF.

Sportdirektor Jörg Schmadtke, der Dritte im Bunde, möchte das Ausscheiden gegen Elversberg aber nicht an fehlenden Verstärkungen festmachen. Ein Bundesligist sollte durchaus in der Lage sein, einen Vertreter aus der vierten Liga deutlich in die Schranken zu weisen.

So gehen die Differenzen und persönlichen Scharmützel zwischen Trainer und Sportdirektor in eine neue Runde. Bereits seit Wochen liegt sich die sportliche Leitung der 96er in den Haaren. Während Slomka unentwegt Verstärkungen fordert, verweist Schmadtke auf den klammen Geldbeutel, den er von Boss Martin Kind bekommen hat.

Der hat offenbar aus den teuren Fehlgriffen der Vergangenheit gelernt und die Geldschatulle in diesem Jahr nicht so weit aufgemacht. Etwas, was auch Mirko Slomka nicht erst seit letzter Woche bekannt sein dürfte. Warum sich Slomka trotz dieser Bedingungen weiter an 96 gebunden hat um jetzt medienwirksam weitere Verstärkungen zu fordern, bleibt zunächst sein Geheimnis.

Schmadtke hält sich penibel an die Vorgaben seines Chefs: vorwiegend ablösefreie Spieler wurden verpflichtet, Kritiker sprechen von Masse statt Klasse und einem unausgeglichenen Kader, in dem teure Altlasten wie Mike Hanke, Mikael Forssell und Jan Schlaudraff weiter durchgeschleppt werden müssen.

Stürmer Forssell war es auch, der seinen Elfmeter in Elversberg verschoss und somit die Hannoveraner auf die Verliererstrasse brachte. Sein Kollege Mike Hanke, in den letzten Ligaspielen der vergangenen Saison noch erfolgreich, ist genauso wieder zurück gefallen in alte Lethargie. Auch der nach langer Verletzung zurück gekehrte Jan Schlaudraff, der in den Planungen seines Trainers die Nummer zehn sein soll, konnte auf dieser Position bisher nur einmal überzeugen, bei einem Testspiel gegen einen Gegner der 1. Kreisklasse. Eben in diesem Spiel zeigte sich auch der unter Hecking verpflichtete Sergio Pinto deutlich munterer als in der ersten Pokalrunde am Samstag abend.

Während in Hannover also schon wieder munter über den ersten Trainerwechsel spekuliert wird, will Mirko Slomka seine Mannen wieder auf Betriebstemperatur bringen. Am kommenden Samstag kommt die Frankfurter Eintracht ins heimische Niedersachsenstadion. Die haben eine gute Vorbereitung gespielt und sind auch im Pokal locker weiter gekommen.

Für Slomka und Schmadtke hingegen könnte es die letzte gemeinsame Arbeitswoche bei 96 werden: dass Clubchef Martin Kind wie in der vergangenen Saison zu lange an einem erfolglosen Duo festhält, scheint ausgeschlossen. Bei einer Niederlage gegen Frankfurt wird mit großer Wahrscheinlichkeit einer der beiden gehen müssen, was den Etat für weitere Neuverpflichtungen weiter verkleinern dürfte. Und für Kind wäre es der zehnte Trainer seiner Amtszeit.

Ein Horrortrip für alle Beteiligten, denn die Suche nach einem Nachfolger dürfte sich nach dem Saisonstart als ungleich schwieriger erweisen. Doch mit etwas Geduld und Spucke könnte sich schon bald eine neue Option für die “Roten” eröffnen:

Ex-HSV-Star Sergej Barbarez (hospitiert zurzeit bei Armin Veh). Der ehemalige Stürmer und HSV-Aufsichtsrat hat seinen Trainerschein schon so gut wie in der Tasche. Am 20. September ist Prüfung und dann will er in der Bundesliga als Fußballlehrer einsteigen. “Am liebsten als Co-Trainer”, sagt der Bosnier. Aber vielleicht ist ja so ein Sprung ins eiskalte Wasser gar nicht so schlecht. Und Hannover ist ja auch nur ein Katzensprung von der Hansestadt entfernt.