Personalien

Hoffmann: Keine Treueschwüre vor dem Schlafengehen

HAMBURG. (oh) “Fussball ist kein Mädchenpensionat”, so Erfolgstrainer Udo Lattek. Das trifft sowohl auf den Kampf auf dem Platz, als auch abseits des Spielfeldes zu. HSV-Boss Bernd Hoffmann musste das ein ums andere Mal am eigenen Leib spüren.

Die Kritiken sind mitunter vernichtend. Zu sehr mische sich der Vorstandsvorsitzende immer wieder in die Belange der sportlichen Führung ein oder er Verkaufe die Seele des Vereins an einen Investor, heißt es. Das mögen nicht viele an ihm.

Doch Bernd Hoffmann ist ein Fuchs, der nichts dem Zufall überlässt und es nach einem alljährlich wiederkehrenden Sommertheater am Ende doch noch schafft, gut aufgestellt in die neue Spielzeit zu gehen. Der “große” Star wurde bislang zwar nicht verpflichtet, aber die Substanz der Mannschaft hat nach dem Weggang von Jerome Boateng besonders in der Defensive (zuletzt 41 Gegentore, in der Saison davor 47) mit Westermann, Diekmeier und Kacar dazu gewonnen.

“Die Voraussetzungen sind geschaffen, der Kader hervorragend besetzt. Wir haben für jede Position verschiedene Möglichkeiten aufgebaut. Und dann das Gesamtpaket aus Qualität, Persönlichkeit und wirtschaftlichen Daten bewertet. Es ist doch immer die Frage, ob man bereit ist, verrückte Sachen mitzumachen. Oder sich an irgendeiner Stelle verabschiedet. Jetzt zählen die Ergebnisse”, erklärt Hoffmann heute auf bild.de.

Ergebnisse, an denen sich auch der HSV-Boss messen lassen muss. Aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht gab es für die Fans unter der Ägide von Hoffmann in den letzten Jahren (seit 2003) nicht wirklich etwas zu meckern. Dennoch schafft es der HSV-Boss immer wieder das Unverständnis der Mitglieder und Fans auf sich zu ziehen.

Nach der verpassten Europapokal-Qualifikation, der verspäteten Entlassung von Bruno Labbadia, der mühsam beendeten Sportchefsuche, ist das aktuelle Investorenmodell (”Wir sind in jeder Hinsicht Herr des Verfahrens.”) und Ex-Hertha Torwart Jaroslav Drobny wieder so ein Paradebeispiel, mit dessen ablösefreier Verpflichtung sich Hoffmann sportlich ganz sicher einen Gefallen getan hat, aber wieder einmal den steinigen Weg gewählt hat. Unterstellt man Hoffmann doch persönliche Eitelkeiten, nachdem Frank Rost mehrfach in der letzten Saison die Handlungsweise des Vorstands kritisiert hatte.

“Es gibt keinen Zweifel an Frank Rosts sportlicher Klasse”, sagt Hoffmann. “Es war der Wunsch der sportlich Verantwortlichen, auf allen Positionen einen Wettkampf zu schaffen und damit auch zu fördern, dass sich jeder Einzelne absolut für die Mannschaft engagiert.”

Sprich der Druck wurde erhöht, um die Erwartungshaltung der HSV-Fans in diesem Jahr endlich erfüllen zu können: Ein Titel.

Eine schwere Hypothek für Trainer Armin Veh, der aber entgegen seiner Vorgänger weiß, wie man in der Bundesliga Deutscher Meister (2007 mit Stuttgart) werden kann. Und wenn es wieder nichts wird, hat der HSV-Vorstandsvorsitzende mit dem Ein-Jahres-Vertrag von Veh auch schon die nötige Sicherheitsleine gespannt.

“Wir beide wissen genau, dass am Ende die Ergebnisse zählen. Da müssen wir uns nicht gegenseitig immer vor dem Schlafengehen die Treue schwören.“

Klare Worte. Etwas, was wiederum sehr viele an ihm mögen.