außerord. Mitgliederversammlung

Aufsichtsrat in der Schusslinie

HAMBURG. (oz) Nach der ausserordentlichen Mitgliederversammlung des Hamburger SV am gestrigen Dienstag Abend gehen die Diskussionen über das von Vorstandschef Bernd Hoffmann initiierte Investorenmodell weiter. Hoffmann verteidigte sein Modell und warb unter den Mitgliedern um Unterstützung, aber auch am Ende der gut fünfstündigen Versammlung waren die Kritiker in der Überzahl.

Die ehemaligen HSV-Präsidenten Dr. Peter Krohn und Jürgen Hunke warfen dem Aufsichtsrat und seinem Vorsitzenden Horst Becker vor, die Tradition des HSV zu verkaufen.

“Es ist ganz, ganz böse, was hier abläuft. Sie zünden hier ein Feuer an, an dem der ganze Verein verbrennen kann”, so Hunke in Richtung Horst Becker.

Dr. Peter Krohn lobte die kritische Mitgliedschaft und sagte, er sehe keinen Sinn darin, sich faktisch bis unter die Nase zu verschulden. Gleichzeitig mahnte er den Aufsichtsrat, ein umfassender Dialog mit den Mitgliedern wäre der bessere Weg gewesen.

Supporters-Chef Ralf Bednarek fragte den Aufsichtsrat, wofür der HSV denn diese Finanzspritze überhaupt brauche, glaube man den Ausführungen des Vorstandschefs, sei der HSV doch in einer excellenten finanziellen Verfassung.

“Wir holen uns eine faktische Fremdbestimmung in den Verein. Für Herrn Kühne ist dies knallhartes Investment”, so Bednarek.

Auch Claus Runge kritisierte den Aufsichtsrat scharf:

“Es gibt seit Jahren diese unheilvolle Allianz zwischen Vorstand und Aufsichtsrat. Hier werden vollendete Tatsachen geschaffen. Die Worte von Herrn Hoffmann sind das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt sind.”

Tatsächlich hatte Hoffmann noch in der Vergangenheit versprochen, zukünftig in einen engeren Dialog mit der Mitgliedschaft treten zu wollen.

Das Vorstandsmitglied für die Mitgliederbelange, Oliver Scheel, stimmte im Vorstand gegen das Investorenmodell und begründetete dies folgendermassen:

“Dieser Vertrag birgt eine hohe darlehensrechtliche Qualität. Wir holen uns Fremdmittel in den Verein und leisten uns einen Vorgriff auf spätere Erlöse. Meiner Meinung nach sollten wir diese Aufwendungen aus eigener Kraft aufbringen.”

Manfred Ertel erinnerte den Aufsichtsrat daran, welche Aufgaben dieser gemäß der Vereinssatzung hat:

“Sie sollen den Vorstand kontrollieren und die Mitglieder vertreten. Ihr Vorgehen ist eine Kriegserklärung an die Mitgliedschaft.”

Ertel machte deutlich, dass er keinen Grund sah, den Vertrag mit Kühne noch vor der angesetzten Mitgliederversammlung zu unterschreiben:

“Wo war denn die Notwendigkeit, dieses Projekt übers Knie zu brechen? Sie haben zwei Jahre gewartet, da wäre es auf wenige Tage nicht mehr angekommen.”

Die Kritik am Aufsichtsrat gipfelte in lauten “Becker raus”-Rufen, nachdem sich Mitglieder des Aufsichtsrates in Widersprüche verwickelt hatten.

Das ehemalige Vorstandsmitglied Christian Reichert wiederholte die durch die Mitglieder angebrachte Kritik.

“Ich wollte am Ende meiner Rede eigentlich ein Stimmungsbild schaffen. Aber es ist Ihnen hoffentlich auch so deutlich geworden, dass die Mehrheit der hier Anwesenden Mitglieder dieses Modell ablehnt.”