außerord. Mitgliederversammlung

Räte Boss prangert Inszenierung an

HAMBURG. (oh) Nach gut viereinhalb Stunden schloß der Aufsichtsrats-Vorsitzende Horst Becker die außerordentliche “Open-Air” Mitgliederversammlung am späten Dienstagabend, die erstmals unter freiem Himmel im Stadion stattfand. 1056 HSV-Mitglieder waren zum großen Showdown um das neue Investorenmodell herum gekommen.

Und wie alle sichtlich von der Wärme gezeichnet aber auch von zwischenzeitlich lauten “Becker raus” Rufen nahezu unbeeindruckt, stellte sich der Aufsichtsratsvorsitzende nach dem Sitzungsmarathon noch einmal den Fragen und prangerte die vermeintliche Inszenierung der Rufe einzelner Gruppen an. Eine konkrete Wertung dessen wollte Becker aber nicht abgeben.

“Es sind halt die Mitglieder, die besonders kritisch sind.”

“Man mußte nach dem, was im Vorwege geschrieben und gesagt wurde damit rechnen, dass Kritik kommt, aber ich habe schon schlimmere Versammlungen erlebt, insofern musste man sich der Kritik stellen und es ist auch alles gesagt worden”, so der Räte Boss.

Anlaß der Mitgliederversammlung war unter anderem die Klärung, welche Umstände am Ende zur Unterzeichnung des Investorenmodells mit Milliardär Klaus-Michael Kühne führten und wie dieses genau aussehe.HSV-Boss Bernd Hoffmann hielt einen gut 45-minütigen Monolog

investorenmodell_vidiwallKühne steckt 15 Millionen in den HSV. Die eine Hälfte davon ist für die Investition in neue Spieler geplant, der Rest ohne Zweckbindung, z.B. Vertragsverlängerung von Topspielern. Fakt ist allerdings, dass Kühne an den Transfererlösen von drei HSV-Profis (Aogo, Jansen, Guerrero) beteiligt ist und bei einem Transfer ordentlich mitkassieren kann. (s.h. Grafik links)

Wirklich zufrieden war damit am Abend aber offenbar keiner, was sich auch anhand der Beiträge zeigte.

“Wenn man die Rednerliste ansieht kann man den Eindruck haben, aber wenn wir eine Versammlung hätten wie 2009, wo 5000 Mitglieder da waren, wäre das Votum etwas anders ausgefallen. Hier hatte ich den Eindruck, dass manches inszeniert wurde”, erklärte Becker.

Gemeint hatte er damit die Ausführungen einzelner Supporters-Club Mitglieder, die das Investorenmodell scharf attakierten und dem Aufsichtsrat vorwarfen das Kühne-Modell einfach durchgewunken zu haben.

Horst Becker erklärte, dass alle Räte zur gleichen Zeit über die Vertragsinhalte  informiert gewesen seien,  Ronny Wulf hingegen erklärte, er habe lediglich einen Tag vor dem Beschluss (eine Woche ist lt. Satzung vorgeschrieben) von der Existenz eines Zwei-Säulen Modells gewußt, mehr nicht. Ein anderer Rat habe wiederum vier Tage zur Prüfung Zeit gehabt.

“Ich verstehe das auch nicht, alle Aufsichtsräte hatten Gelegenheit die Verträge anzusehen und dann darüber abzustimmen.”

Im Klartext, heißt das: Jeder hatte also Zeit genug, sich die Verträge durchzulesen.

“Ob er das nun abends oder am nächsten Morgen macht, ist ihm überlassen”, ergänzte Becker, “und über das Modell selbst war der Aufsichtsrat schon ein Stück weit früher informiert.”

Aufreger war aber, dass gerade die 7-Tage Frist ganz offenbar nicht eingehalten wurde, worauf Becker erklärte, dass dieser Vorlauf von einer Woche in besonderen Fällen abgekürzt werden könne, damit seien auch alle Räte einverstanden gewesen.